Kalziumscore: Was der Coronarscore bedeutet

Was ist der Kalziumscore?

Der Kalziumscore, auch als Koronarkalk-Score oder Coronarscore bezeichnet, ist ein nicht-invasives bildgebendes Verfahren zur Quantifizierung von Kalkablagerungen in den Herzkranzgefäßen. Diese Kalziumablagerungen sind ein direkter Marker für subklinische Atherosklerose, also für eine frühzeitige Gefäßverkalkung, die noch keine Symptome verursacht. Der Test verwendet eine Niedrigdosis-Computertomographie ohne Kontrastmittel und liefert innerhalb weniger Minuten einen Zahlenwert, der das individuelle Risiko für zukünftige kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall abschätzt. Anders als viele andere Untersuchungen erfasst der Kalziumscore nicht die Verengung der Gefäße, sondern das Ausmaß der Verkalkung – ein direkter Hinweis auf die gesamte atherosklerotische Last. Die Methode hat sich in den letzten Jahren als wertvolles Instrument zur Risikostratifizierung etabliert, insbesondere bei Patienten mit einem intermediären, also mittleren, kardiovaskulären Risiko. Die Studie basiert auf der Erkenntnis, dass Verkalkung der Koronararterien ein früher und spezifischer Indikator für Atherosklerose ist. Je höher der Kalziumscore, desto ausgeprägter ist die koronare Herzkrankheit und desto höher das Risiko für zukünftige Ereignisse. Ein Wert von null hingegen zeigt ein sehr geringes Risiko für die nächsten fünf bis zehn Jahre an, was für viele Patienten eine beruhigende Prognose bedeutet. Zugleich hilft der Score, therapeutische Entscheidungen wie den Einsatz von Statinen zu individualisieren. Die Methode ist einfach, strahlenarm und erfordert keine aufwändige Vorbereitung. Dennoch wird sie nicht für die breite Bevölkerung empfohlen, sondern gezielt bei bestimmten Risikogruppen eingesetzt.

Wie wird der Kalziumscore gemessen?

Die Messung erfolgt mittels einer speziellen CT-Untersuchung des Herzens, die ohne Kontrastmittel auskommt. Der Patient liegt auf dem Rücken auf dem CT-Tisch, während die Röhre mehrere Schichten des Herzens aufnimmt. Die Bildgebung konzentriert sich auf die Koronararterien, also die Äste der Herzkranzgefäße. Ein spezielles Computerprogramm analysiert die Aufnahmen und identifiziert Areale, die eine Dichte von mehr als 130 Hounsfield-Einheiten aufweisen und eine Fläche von mindestens einem Quadratmillimeter haben. Diese Areale werden als kalzifiziert gewertet. Aus der Dichte und der Fläche wird der sogenannte Agatston-Score berechnet. Benannt ist er nach dem Radiologen Arthur Agatston, der diese Methode in den 1980er Jahren entwickelte. Der Score multipliziert die Fläche jeder Kalziumablagerung mit einem Dichtefaktor, der von der maximalen Hounsfield-Einheit abhängt. Die Summe aller Läsionen ergibt den Gesamtscore. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten, die Strahlenbelastung ist mit etwa einem Millisievert vergleichsweise niedrig und liegt im Bereich einer herkömmlichen Röntgenaufnahme des Brustkorbs. Wichtig ist, dass der Patient während der Aufnahme ruhig liegt und den Atem kurz anhält, um Bewegungsartefakte zu vermeiden. Die Auswertung erfolgt automatisiert, wird aber von einem Radiologen oder Kardiologen überprüft. Der Kalziumscore ist ein quantitativer Wert, der keine subjektiven Einflüsse hat, was ihn zu einem sehr reproduzierbaren Biomarker macht. Allerdings können sehr kleine Ablagerungen oder weiche Plaques ohne Kalzium nicht erfasst werden. Daher ist ein Score von null nicht gleichbedeutend mit einem vollständigen Fehlen von Atherosklerose, aber das Risiko ist trotzdem sehr gering.

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Interpretation der Ergebnisse nach dem Agatston-Score

Der gemessene Kalziumscore wird in verschiedene Risikokategorien eingeteilt. Die Einteilung folgt internationalen Leitlinien und dient der Risikostratifizierung. Die folgende Tabelle zeigt die gängigen Kategorien nach dem Agatston-Score und ihre Interpretation:

Agatston-Score Risikokategorie Bedeutung
0 Sehr niedriges Risiko Keine nachweisbare Koronarverkalkung; Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse in den nächsten 5–10 Jahren unter 1 %.
1–99 Mildes Risiko Geringe Kalziumlast; leicht erhöhtes Risiko, jedoch noch keine aggressive Therapie zwingend erforderlich.
100–299 Moderates Risiko Mittlere Kalziumlast; deutliche Atherosklerose; statintherapie wird meist empfohlen.
≥300 Schweres Risiko Hohe Kalziumlast; hohe Wahrscheinlichkeit für eine koronare Herzkrankheit; aggressive präventive Maßnahmen indiziert.

Die Grenzwerte sind nicht starr, sondern dienen als Orientierung. Bei Patienten mit Diabetes mellitus oder anderen starken Risikofaktoren wird oft schon ab einem Score von 10 eine intensivere Therapie erwogen. Ein Score von 100 oder höher gilt als klarer Hinweis auf eine behandlungsbedürftige Atherosklerose. Wichtig zu betonen: Der Kalziumscore allein sagt noch nichts über das Vorhandensein von Engstellen oder einer stabilen Angina pectoris aus. Er ist ein Risikomarker, der das Gesamtrisiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls abschätzt, nicht aber den akuten Zustand der Gefäße. Daher sollte die Interpretation immer im Kontext anderer Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Blutdruck, Cholesterin und Rauchstatus erfolgen.

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Klinische Bedeutung und Behandlung

Der Kalziumscore hat direkte Konsequenzen für die Therapie, insbesondere für den Einsatz von Statinen. Gemäß den Leitlinien der American College of Cardiology und American Heart Association (ACC/AHA) wird der Score zur Risikostratifizierung bei Patienten über 40 Jahren mit einem intermediären kardiovaskulären Risiko zwischen 5 und 20 Prozent empfohlen. Die Entscheidung für eine Statintherapie kann auf Basis des Kalziumscores individualisiert werden.

Folgende Schwellenwerte gelten als klinisch relevant:

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  • Bei einem Score unter 100 ist eine Statintherapie in der Regel nicht von Nutzen. Eine Wiederholungsuntersuchung nach fünf Jahren kann sinnvoll sein, um Veränderungen zu erfassen.
  • Ab einem Score von 100 wird eine Statintherapie mit hoher Evidenz empfohlen. Begleitend sind Lebensstiländerungen wie gesunde Ernährung, Bewegung und Rauchstopp angeraten.
  • Bei Diabetikern liegt die Schwelle oft niedriger, bereits ab einem Score von 10 wird eine Therapie erwogen, da das Risiko bei dieser Patientengruppe generell höher ist.
  • Ein Score von null macht eine Statintherapie in den meisten Fällen entbehrlich, es sei denn, es liegen andere hochsignifikante Risikofaktoren vor.

Darüber hinaus kann der Kalziumscore motivierend wirken: Patienten mit einem erhöhten Wert sind häufig bereiter, ihren Lebensstil zu ändern, wenn sie einen konkreten Nachweis der Atherosklerose sehen. Die Untersuchung ist auch wiederholbar, um das Fortschreiten der Verkalkung zu dokumentieren. Allerdings gibt es keine spezifische medikamentöse Behandlung, die gezielt den Kalziumscore senkt; Statine reduzieren das Risiko für Ereignisse, haben aber nur einen geringen Effekt auf die Verkalkung selbst. Der Fokus liegt auf der Prävention von Herzinfarkten und Schlaganfällen, nicht auf der Reduktion des Scores.

Wann wird der Kalziumscore empfohlen?

Der Kalziumscore ist kein Routine-Screening für die Allgemeinbevölkerung. Er wird gezielt bei Personen eingesetzt, bei denen aufgrund traditioneller Risikofaktoren ein mittleres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht und bei denen die Entscheidung für eine medikamentöse Therapie unsicher ist. Laut den aktuellen Leitlinien der ACC/AHA sind folgende Situationen typisch für die Anwendung:

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Patienten über 40 Jahre mit einem berechneten 10-Jahres-Risiko von 5 bis 20 Prozent, basierend auf Standardrisikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Cholesterin, Blutdruck, Rauchen und Diabetes. Bei diesen Personen kann der Kalziumscore die Einteilung in Niedrig-, Mittel- oder Hochrisikogruppen verfeinern. Auch bei jüngeren Erwachsenen mit einer starken familiären Belastung oder anderen Risikofaktoren kann der Test sinnvoll sein, wenngleich die Evidenz dort geringer ist. Der Score ist besonders hilfreich, um die sogenannte Therapielücke zu schließen: Viele Menschen mit intermediärem Risiko erhalten weder Statine noch Lebensstilempfehlungen, obwohl sie von einer Prävention profitieren würden. Ein erhöhter Kalziumscore kann den Arzt und den Patienten überzeugen, Maßnahmen zu ergreifen. Umgekehrt kann ein Score von null dazu beitragen, unnötige Medikamente zu vermeiden. Der Test wird auch bei asymptomatischen Personen ohne bekannte koronare Herzkrankheit eingesetzt, um die Risikostratifizierung zu verbessern. Bei Patienten mit bereits bekannter Atherosklerose oder nach Herzinfarkt ist der Kalziumscore in der Regel nicht indiziert, da die Diagnose bereits gesichert ist. Die Kosten werden in Deutschland nicht von allen Krankenkassen übernommen, aber als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angeboten. Die Entscheidung sollte immer in Absprache mit einem Kardiologen getroffen werden.

Grenzen des Kalziumscores

Obwohl der Kalziumscore ein hervorragendes Werkzeug zur Risikoabschätzung ist, hat er auch Einschränkungen. Er erfasst nur verkalkte Plaques, nicht aber weiche, lipidreiche Plaques, die ebenfalls rupturgefährdet sind. Ein niedriger oder null Score bedeutet daher nicht, dass keine Atherosklerose vorhanden ist – insbesondere bei jungen Menschen, Rauchern oder Diabetikern können weiche Plaques dominant sein. Zudem gibt es eine gewisse Variabilität in der Messung und Auswertung, obwohl der Agatston-Score standardisiert ist. Die Strahlenbelastung, auch wenn gering, ist nicht zu vernachlässigen, insbesondere bei wiederholten Untersuchungen. Der Test sollte nicht bei Schwangeren oder Personen mit bekannten Kontrastmittelallergien durchgeführt werden, auch wenn kein Kontrastmittel verwendet wird. Ein weiterer Nachteil ist, dass der Kalziumscore keine direkte Aussage über die funktionelle Relevanz von Verengungen erlaubt. Eine Stenose mit hohem Kalziumscore kann klinisch stabil sein, während eine weiche Plaque ohne Kalzium zu einem akuten Koronarsyndrom führen kann. Daher wird der Kalziumscore niemals allein zur Therapieentscheidung herangezogen, sondern stets im Kontext von Symptomen, Familienanamnese und weiteren Risikofaktoren. Schließlich ist der Score nur für Personen ohne bekannte Herzkrankheit validiert. Bei Patienten mit bestehender KHK haben andere Untersuchungen wie der Koronarangiografie oder der Intravaskuläre Ultraschall eine höhere Aussagekraft. Trotz dieser Grenzen bleibt der Kalziumscore ein evidenzbasierter und kosteneffizienter Test zur Verbesserung der Risikostratifizierung in der Primärprävention.

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Zusammenfassung

Der Kalziumscore, gemessen mittels Niedrigdosis-CT und berechnet nach dem Agatston-Score, ist ein zuverlässiger Marker für das Ausmaß der Koronarverkalkung und damit für das individuelle Risiko kardiovaskulärer Ereignisse. Er wird vor allem bei Personen mit mittlerem Risiko eingesetzt, um die Therapieentscheidung für Statine zu unterstützen. Ein Wert von null weist auf ein sehr niedriges Risiko hin, während Werte über 100 eine Statintherapie nahelegen. Die Methode ist nicht-invasiv, strahlenarm und gut reproduzierbar. Ihre Stärke liegt in der objektiven Quantifizierung der Atheroskleroselast, die oft besser mit dem tatsächlichen Risiko korreliert als traditionelle Risikofaktoren allein. Dennoch sollte der Kalziumscore nicht isoliert betrachtet werden; er ergänzt die klinische Beurteilung und ermöglicht eine personalisierte Prävention. Für Patienten mit Diabetes oder anderen Risikokonstellationen kann die Schwelle für eine Therapie niedriger liegen. Die Untersuchung ist in den internationalen Leitlinien verankert und wird von Fachgesellschaften wie der ACC/AHA empfohlen. Wichtig ist die Aufklärung der Patienten über die Bedeutung des Ergebnisses, um eine hohe Adhärenz zu erreichen.

Quellen

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf folgenden Quellen: Definition und Beschreibung des Kalziumscores nach Hospital Ascires (ascires.com/hospital/servicios/score-calcio-2/); Risikostratifizierung und Behandlungsschwellen nach Medway (medway.com.br); Agatston-Score und Messmethode nach Star Med (star.med.br); Risikokategorien nach Federação Brasileira de Cardiologia und Atlas Salud (atlas-salud.clinicasascires.com); Therapieempfehlungen und Leitlinien nach Portal Afya (portal.afya.com.br). Weitere Hintergrundinformationen stammen aus der aktuellen kardiologischen Fachliteratur.

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Hinweis Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden oder Fragen wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.
Autor

Stefano Barcellos

Mitwirkender bei Visite Barbados.

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